In diesem Moment sitze ich in meinem Büro und schaue auf das Dachfenster, von dem der Regen herab rinnt. Er bildet Schlieren, in denen ich die Flussrichtung des Wassers sehen kann, aber auch die Wellenbewegungen, die das Wasser sofort machen möchte, sobald es in Bewegung kommt. Das macht mich nachdenklich. Die vergangenen Wochen waren für mich enorm voll und es ging von einem Termin zum nächsten. Obwohl ich genau weiß, dass ich mich immer wieder an den Körper anschließen sollte, im Jetzt bleiben sollte und geerdet sein sollte, gelingt es mir in solchen Zeiten nur schwer. Die alten Mechanismen der Effizienz und Schnelligkeit greifen einfach. Ich neige dann dazu mich linear zu bewegen. Dabei verliere ich einen Teil meiner Seele, meine Verspieltheit, meine Freude.
Es ist als ob mich das Wasser jetzt daran erinnern wollte: der Weg zum Ziel ist nicht gerade!!!
Er verläuft in Wellen, in Schlenkern, in freudigen Kurven, hinter denen immer neue Überraschungen warten. Selbst in einer engen Bahn gibt es immer noch Spielraum für Bewegungen nach allen Seiten – eben kleinere Bewegungen. Aber es gibt Raum. In diesem Haus nennen wir es „Mäandern“, wenn wir so leben: immer um eine neue Kurve biegen, und sich dem hingeben, was sich da zeigt. Dabei das Ziel nicht vergessen.
Jetzt lasse ich mich vom Wasser wieder an diese Bewegung erinnern…
Mein Impuls:
Frage dich doch, wenn du magst, wo du dein Leben in mäandern gestaltest. Und wo linear führst, geradeaus, so wie es in der Schule gelehrt wird. Wie gehst du über eine Wiese? Verlaufen deine Fußspuren leicht in Wellen, so wie das Wasser sich bewegt? Oder gerade, wie an einer Linie entlang? Wie gerade oder krumm verlief bisher dein Leben? Und wo hat dir das gut getan?