Angst & Vertrauen

Etwas an diesem Morgen wirkt surreal, unwirklich, wie aus der Zeit gefallen. Als würden die Dinge, die sonst eine feste Bedeutung tragen, sich auf den Weg machen und ein Eigenleben entwickeln, welches eine neue Bedeutung hat. Solche Momente erlebe ich in letzter Zeit häufiger. Es kommt mir vor, als ob verschiedene Ebenen der Wirklichkeit auseinander driften wie Kontinentalplatten. Eine Ebene unserer Zeit ist die Angst. Es ist, als ob Menschen die Möglichkeit bekommen ihrer persönlichen Angst zu begegnen: Existenzangst, Angst vor Krankheit und Tod, Angst vor anderen (scheinbar feindlichen) Menschen, oder um einen geliebten Menschen. Es gibt so viele Variationen der Angst Raum zu geben. Ganz vorn ist die Möglichkeit eines Krieges, und in den Medien wird von Experten allerseits auf die Kriegsgefahr hingewiesen, ja es wird offen darauf hin gelebt.

Bin ich naiv, dass ich sicher bin, dass wir hier keinen Krieg bekommen werden? Oder liegt es daran, dass ich auf den Frieden vertraue?

Als ich das Bild zu meinen Zwischen-Klängen suchte und fand, fiel mir ein Gedicht von Hilde Domin ein, was ich sehr liebe. Es geht so:

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten. 

In der Lyrik von Hilde Domin klingt für mich immer wieder etwas auf, was Hoffnung schenkt, was auf das Licht hinweist, auch wenn es gerade Nacht ist.

Ich stelle mir vor, dass es auch Menschen wie Maria und Joseph aus der biblischen Geschichte genau so gegangen ist: so viele Schwierigkeiten, so viel Unsicherheit und Angst. Und immer wieder ein Wunder. Immer wieder. Ich bin sicher, dass uns allen dieses Wunder geschehen kann, nicht nur den Leuten aus der Bibel.

Auch mir geht es so, dass ich immer wieder in Angst komme in diesen Wochen, gerade gestern fühlte ich sie wieder stark. Die Folge war, dass ich nachts Asthma hatte, und in meiner Meditation morgens wahrnahm, dass ich meine Wurzeln aus der Erde gezogen hatte.

Das ist es, was geschieht in der Angst: wir isolieren uns, igeln uns ein, entwurzeln uns und verlieren unseren Grund. Um mich zu erden, sang ich das Mantra für das Basis Chakra und ließ meine Wurzeln wieder tief in die Erde wachsen. Das tat gut, und gab mir Ruhe.

Den Unruhen in mir und im Äußeren steht eine große Gelassenheit gegenüber, die ich immer wieder finden kann. Beide Zustände – die Angst und das Licht – existieren nebeneinander, ich erlebe sie völlig verschieden, und doch habe ich die Wahl, welchem ich mich hingebe. Das scheint vom Erleben der Angst aus absurd. Von der Ebene des Lichts aus ist leicht zu erkennen, dass wir immer die Wahl haben.

Mein Impuls:

Wenn auch du gegenwärtig mit verunsichernden Ängsten konfrontiert bist, dann nimm dir einen Moment Zeit für dich. Lehne dich auf deinem Sitz zurück und schließe die Augen. Fühle, dass du atmest und lass deine Aufmerksamkeit ganz und gar dabei sein. Einatmen. Ausatmen. Nimm deine Füße wahr und den Boden unter deinen Füßen und lass ein bisschen Dankbarkeit in dir wachsen für die Stabilität, die du dort fühlst. Du bist getragen. Gehalten. In diesem Moment. Jetzt. Mehr ist nicht wichtig.

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