Zwischen-Klänge N°5: Die Unterwelt

Diese Woche habe ich eine dichte Atmosphäre der Innenarbeit wahrgenommen. Sowohl bei mir selbst, als auch bei vielen Menschen um mich herum. Alte Wunden tauchten verstärkt auf, und mehrere meiner Klienten erlebten Reisen in die eigene Tiefe, die herausfordernd waren. Wir Menschen in dieser Zeit reisen wohl nicht gern in die „Unterwelt“. Der Tod und die Transformation dieser Welt sind uns unheimlich. Und doch sind es oft die Tiefen, in die wir nicht freiwillig hinab steigen, wo wir Schätze finden können. Nicht umsonst wachsen die Kristalle in der Tiefe, in der Dunkelheit. Wir tauchen wieder auf mit Geschenken,  mit neuen Erkenntnissen, oder wir sind selbst reiner, geklärter, kostbarer.

Die Unterwelt ist auch die Welt des Todes. Aber was bedeutet der kleine Tod einer liebgewonnenen Gewohnheit, die nicht mehr zu mir passt anderes als der große Tod meines Körpers? Das Sterben wird für mich immer weniger absolut, die Grenzen verwischen sich. Immer wieder tauche ich hinab in die Unterwelt und kehre zurück, verwandelt, oftmals geläutert. Die Teile von mir, die dort „sterben“ müssen, sind vielleicht nicht einverstanden. Sie wollen noch bleiben. Aber will ich sie wirklich behalten?

Als ich ein Kind war, empfand ich den Gedanken an den Tod als Erlösung. Ich fand es tröstlich irgendwann diese Erde auch wieder verlassen zu können. Und ich wusste sicher: wenn das geschieht, werde ich alles wieder wissen, was ich vergessen habe, als ich zur Erde kam. Ich empfand das Vergessen als so schmerzlich.

Heute denke ich nicht mehr ganz so leichtherzig über den körperlichen Tod. Ich bin viel mehr auf der Erde angekommen, und habe gelernt wahrzunehmen, wie kostbar dieses Leben im Körper, in Gemeinschaft mit anderen Menschen ist. Dafür, und für die Erfahrungen, die ich mit meinen Mitmenschen machen darf bin ich zutiefst dankbar.

Mein Impuls:

Wie empfindest du den Tod? Ist er dir ein Freund, oder ist es ein Tabu Thema, über das du nicht nachdenken magst? Nimmst du die kleinen Alltagstode wahr: dein Einschlafen am Abend, das Zurücklassen einer Gewohnheit, oder nimmst du nur wahr, was neu wird? Wertest du zwischen „neu“ und „alt“? Kannst du dieses Thema anschauen, ohne zu bewerten?

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